Ja, aber …

ich kann sie einfach nicht mehr hören… diese „Ja, aber… “ Sätze.

Ich bin kein politischer aktiver Mensch. Ich vermeide politische Gespräche weil ich denke, dass die eigene Einstellung zu bestimmten Themen einfach Privatsache ist. Außerdem ist es mir schlicht zu anstrengend mich mit mancher Leute Meinung auseinanderzusetzen oder noch schlimmer, meine eigene rechtfertigen zu müssen.

Politisch aktiv bin ich aus mehreren Gründen nicht. Zum einen … bin ich einfach zu faul. Mit meiner Freizeit weiß ich etwas besseres anzufangen als mit einem Parteibuch durch die Gegend zu hecheln, mal abgesehen davon, dass ich hinter keiner Partei rückhaltlos stehen könnte.

Bei vielen Themen schießt mir unweigerlich durch den Kopf… „Genau! Dagegen oder dafür muss dringend etwas getan werden!“ Aber was? … Was könnte ich tun um dieses große Problem beheben zu können?
Und schon fühle ich mich wie das kleine Glühwürmchen, das kein Licht in das Dunkel bringen kann. Naja, im Stillen habe ich sicherlich die Hoffnung, dass sich schon jemand mit Einfluss um die Sache kümmern wird.

Seit Wochen beherrscht das Thema der Flüchtlinge alle Medienbereiche und nur zu schnell findet man sie, die „Ja aber …“ Sätze. Jeder weiß, welche ich meine.

Sicher, auch ich gehöre zu dem Menschen die ihre abendländische Kultur nicht beschnitten sehen möchte.
Das St. Martins Fest bzw. der Umzug soll genau so heißen. Wer will schon einen Sonne, Mond und Sterne Umzug? Und Weihnachtsfeier ist und bleibt Weihnachtsfeier und nicht Jahresendfeier.

Ich möchte, dass jede Frau die Kleidung tragen kann, die sie möchte (auch wenn nicht jede das tun sollte) ohne, dass sich ein Mann darüber beschwert und es verbieten will.

Ich schätze es meine Meinung sagen zu dürfen, wenn ich es denn möchte. Ich will Pressefreiheit, ich freue mich, dass die Homo-Ehe möglich ist …. und, und, und …

Ich habe lange in einem Ballungsraum gelebt. Tür an Tür mit Türken, Spaniern, Syrern… ich bin im türkischen Viertel einkaufen gegangen schon allein, weil es einfach eine ganz andere Art (viel schöner) des Einkaufens war als durch einen Supermarkt zu hetzen.

Auch ich kann mich nur schwerlich an komplett verhüllte Frauen in Burka gewöhnen… zu unglaublich scheint mir der Gedanke, sie tue dies freiwillig. Die Angst vor dem Fremden, dem Unbekannten knabbert auch an mir – und ich halte mich wirklich für einen aufgeklärten, modernen Menschen.

Noch dazu kommt, dass ich nicht sonderlich gläubig bin. Schon vor vielen Jahren bin ich aus der Kirche ausgetreten und ich halte es da sehr weltoffen … Jeder wie er mag – hauptsache er belästigt andere damit nicht! Und damit meine ich tatsächlich alle Arten der Religion.

Seit gestern bin ich sehr unruhig und traurig … fassungslos bin ich schon lange nicht mehr – zu sehr ist mir bewusst, wie unfassbar schlecht Menschen sein können.

Meine Gedanken kreisen um die Bewohner von Paris, die Opfer, ihren Familien, die Einsatzkräfte und ich hoffe, dass die, die Entscheidungen treffen müssen – diese weise und mit Weitblick treffen.

Was kann ich tun? Ich, das kleine Glühwürmchen? Ich will diesen „Menschen“ die Stirn bieten, will nicht denken „Ja, aber…!“ Will mich nicht einschüchtern lassen nicht einschränken lassen und genau darum beziehe ich heute Stellung!

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je suis paris

Seit vielen Jahren war ich heute in der Kirche. Ich war dort ganz allein und habe gebetet. Für die Familien und die Opfer … unter denen sicher auch Muslime zu finden sein könnten….

Wie geht ihr da draußen damit um? Was bewegt euch? Was können wir tun?

(Bildquelle: im Netz- NT-V Zitat:
„Gestaltet wurde das Zeichen von dem Künstler Jean Jullien, der es kurz nach den Attentaten in Paris auf Twitter und Instagram verbreitete, verbunden mit der Forderung „Peace for Paris“ .)

~ von working mudpaws - 14. November 2015.

3 Antworten to “Ja, aber …”

  1. Ich war über 20 Jahre lang gewerkschaftlich aktiv und habe mich dann vor gut einem Jahr nicht wieder aufstellen lassen. Ich möchte mir ein Deutschland ohne Gewerkschaften nicht vorstellen, aber ich zum einen habe ich keine Lust mehr, mich für Leute einzusetzen, die selbst gar nichts tun, zum anderen teile ich nicht mehr alle Ziele der Gewerkschaften.

    Wenn man sich nur ein klitzekleines bisschen mit Psychologie beschäftigt wird sehr schnell klar: Der Mensch ist einfach so gestrickt, dass er sich (vor allem, wenn es in irgendeiner Form eng wird, also um Ressourcen jedweder Art geht), vor allem um die eigene Gruppe kümmert. Da ist es egal, ob es um die eigene Familie, die Schulklasse des Kindes, die Trainingszeiten des eigenen Vereins oder was auch immer geht. Ich halte es für sträflichen Leichtsinn zu glauben, das sei international betrachtet anders.

    Zum Thema Vorurteile: Wir alle haben welche (übrigens auch positive). Wer sich was anderes einbildet, irrt leider. Evolutionsbedingt sortiert unser Gehirn aufgrund von gemachten Erfahrungen in Schubladen. Es empfahl sich in der Steinzeit nämlich mitnichten, wenn der Kopf des Löwen hinterm Berg auftauchte, zu warten, ob wohl auch der restliche Körper „Löwe“ sagte, sondern man nahm tunlichst die Beine in die Hand. Tun kann man nur eins: Sich dessen bewusst sein und im akuten Fall auf Gültigkeit überprüfen.

    Was ich mich frage: Warum löst das Drama in Paris so eine Welle bei fb aus (die Tricolore-Profilbilder), während andere Bombardements achselzuckend igoriert werden? Weil es jetzt quasi vor unserer Haustür passiert? „Warm die Lämmer schweigen“ liefert einen Teil der Antwort: https://www.youtube.com/watch?v=QlMsEmpdC0E&index=96&list=WL

    • Das war einer der Gründe, warum ich mich nicht für den Personalrat habe aufstellen lassen. Es ist egal, was du tust … die Nixtuer haben immer was zu meckern. Außerdem wurde in unserer Orga der Personalrat extrem „entmachtet“ so dass du sozusagen zum „Beisitzer“ und „Abnicker“ degradiert wurdest.
      Ich schreibe hier ja nicht über meinen Beruf (aus gutem Grund) aber … Ich muss mich sehr oft genau prüfen und auch erden. Die Gefahr, dass ich Vorurteile entwickle ist sehr hoch und ich erhalte dadurch tatsächlich ein verzerrtes Gesellschaftsbild.
      Jede Form von Terror – egal wo er passiert – bestürzt mich! Aber und da hast du Recht … daduch, dass es vor der Haustür passiert und evtl. Bekannte oder Freunde hätten betroffen sein können führt (bei mir) zu einem viel intensiveren Erleben.

  2. Wie gesagt, ich halte es für völlig normal, dass die größere Nähe zu größerer Betroffenheit führt. Würden wir uns alles Elend der Welt so zu Herzen nehmen, wie es eigentlich nötig wäre, würden wir wohl alle in Depressionen ersticken. Wir Glühwürmchen🙂 können nur versuchen, in unserem Umfeld, in unserem banalen Alltag möglichst etwas Positives zu bewirken, so dass wir guten Gewissens in den Spiegel schauen können. Zu verdrängen, was wir nicht beeinflussen können, halte ich nicht nur für vertretbar, sondern im Sinne einer guten Psychohygiene sogar für notwendig. Mich hat gewissermaßen mein Gerechtigkeitssinn daran gehindert, mein Profilbild einzufärben, weil… hm… wie erklär ich das jetzt? Ein Votum für etwas, ist i. d. R. gleichzeitig ein Votum gegen etwas anderes, also Frankreich jetzt so zu pushen wertet m. E. Tausende anderer Attentate mit u. U. weit größeren Opferzahlen ab. Besser kann ich’s leider nicht erklären…

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