Eine neue Leidenschaft

Ich werde mich jetzt outen! Ich häkel!
Ja, es ist wirklich kaum zu glauben und würde meine Oma noch leben würde sie sicher schier ausflippen.

Ich und häkeln / handarbeiten, das passt so gut zusammen wie Hering mit Schokopudding. Alles fing damit an, dass mein Mann  für eine besondere Mützenart zu schwärmen. Die „Boshi-Mützen“. In unregelmäßigen Abständen ließ er verlauten, dass diese Kopfbedeckungen im sehr gefallen würden und er sich über eine solche als Geschenk (mit Zaunpfahl wink) auch sehr freuen würde.

Ich bemühte Tante Google und fand den Boshi-Mützenkonfigurator. Was es nicht alles gibt. Mützen in allen Farben, Farbkombinationen, mit Wellen-, Quadrat- oder Streifenmuster. Mit oder ohne Bommel der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Ich konfigurierte los, drückte den Button „erstellen“ und schaute auf den Preis… und war mir sofort sicher… ne, das wirst du für eine „Pudelmütze“ nicht bezahlen!

Ich unterhielt mich wieder mit Tante Google und surfte auch mal bei Onkel YouTube vorbei. Vielleicht war es Schicksal, aber die Protagonisten in den Video-Anleitungen waren… KINDER! Mich packte der Ehrgeiz oder vielleicht war es auch eine Art partieller Größenwahn den irgendetwas lies mich sicher glauben: „Wenn die das können, kann ich das auch!“

Zu diesem Zeitpunkt schien mein gesamtes Bewusstsein ausgeblendet zu haben , dass ich häkeln doof finde. Nun gut, damals, in der 5. Klasse fand ich es doof. Wir sollten etwas nützliches häkeln, ein Täschchen für Tempos. Ich hatte aber schon damals meinen ganz eigenen Kopf und häkelte eine elend lange Luftmaschenkette. Als meine Lehrerin mich fragte, was denn dies nun werden würde antwortete ich ….. „Eine Hundeleine!“ Sie erwiderte, dass ich auf diese Arbeit eine 5 bekommen würde da ich etwas am Thema vorbeigehäkelt sei.
Egal! Fand das Fach eh völlig unnütz, werkelte lieber mit Holz und nahm die 5 – Spaß kost eben!

Danach war jede Form von Handarbeiten nie wieder ein Thema und nun das – knapp 33 Jahre später (ach du Sch..) nehme ich diese Nadel in die Hand und versuche mich an meiner ersten Mütze.

Natürlich sollte es gleich eine sein mit drei verschiedenen Farben. Einfach kann ja auch jeder. Ich bestellte einen „Boshi-Kid“ und als mein Gatte das Haus verlassen hatte begann das Projekt Mütze.

Ich nahm die Nadel in die eine und die Wolle in die andere Hand. Los… Häkeln sie viel Luftmaschen.. OK, das kann ich.

Schließen sie diese mit einer Kettmasche zum Kreis. Hääääähhh??? Ich versuchte verzweifelt anhand der Bilder in der Anleitung zu verstehen, was denn nun eine Kettmasche ist und wo ich denn mit der Nadel hinstechen musste. Nach einigen Minuten hatte ich es geschafft.

Weiter … Häkeln sie 11 halbe Stäbchen in den Ring. Ach du meine Fr…. Kurzerhand verlegte ich meine Häkelaktivität vom Sofa vor den PC. Was nun folgte, sucht sicherlich seinesgleichen. Ich lernte häkeln am Computer.

Play – Hol den Faden, stich in den Luftmaschenkreis, hol den Faden … Stop

Hoooool den Faaaaaaden, stiiiihich in den Luuuuuuuftmaaaaschenkreis, beiß dir vor Konzentration auf die Zungenspitze, hol den Faaaaaden…

Play – drei Schlaufen auf der Nadel, hol den Faden – und zieh diesen durch alle drei Schlaufen… Stop

eins, zwei, drei – jaaaaaa, drei Schlaufen auf der Nadel, hoooooool den Faden und wurstel ihn durch die drei Schluppen

Nur mal so, quasi nebenbei, in der Minianleitung stand, dass man diese Boshi in 2 Stunden fertig hat. Zwei Stunden????? Never Ever! Zwei Monate waren bei meinem Tempo durchaus realistisch. Aber aufgeben war keine Option.

Ich verbrachte Stunden an dieser Mütze und als ich sie dann fertig in Händen hielt, sah sie …… aus wie eine Obstschale. Wie ich es auch immer geschafft habe, ich habe keine Ahnung, aber als Kopfschmuck konnte dieses Machwerk nicht dienen.

AUFRIBBELN

Und auf ein Neues. Ich war der Meinung, dass ich die Mütze einfach nur zu groß gehäkelt hätte und so schlug ich bei meinem zweiten Versuch einfach weniger Maschen an. Mit dem Endergebnis, dass dieses Exemplar wohl einem Kleinkind gepasst hätte aber nicht meinem Mann.

AUFRIBBELN

Ich bin mir sicher, dass man lange suchen muss um jemanden zu finden der noch länger an so einer Boshi gehäkelt hat wie ich. Außerdem bin ich mir ebenfalls sicher, dass noch niemals jemand so übel beim Handarbeiten geflucht hat.

Der dritte Anlauf hat den endlich geklappt. Die Mütze passte, die Farbwechsel sahen gut aus und ich konnte mich auf den nächsten „Kundenwunsch“ konzentrieren. Eine Bommel. Hergestellt war sie schnell und ich zückte Garn um sie an meinem Kunstwerk festzunähen.
Bombenfest … aber Moment, warum sieht denn das so blöd aus? Ich Dilettant hatte die Bommel tatsächlich an die Innenseite der Mütze angebracht. Oh, mein Gott! Kann mich sich wirklich noch bekloppter anstellen?

Aber sie war fertig, ich hatte es tatsächlich und wahrhaftig geschafft ohne mich schwer zu verletzten, ich habe eine Mütze gehäkelt…. Ihr müsst euch jetzt Tom Hanks vorstellen der auf seiner Insel steht und schreit „IIIIIIIIch habe Feuer gemacht!“

Genau so war das hier, nur das ich im Wohnzimmer stand und sagt „Iiiiiiiich habe eine Mütze gehäkelt!“

cats

Der Überfluß an Endorphinen ließ mich völlig wahnwitzige Ideen entwickeln. Selbstgemachte Geschenke für alle Familienmitglieder. Und so häkelte ich mich in einen richtigen Rausch, Loopschal für Mama, Loopschal und Armstulpen für meine Schwester, Handschuhe für Papa und noch einen langen Loop für meinen Bruder.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie gespannt ich bei unserem Fest war. Würde denn den Beschenkten gefallen was sie auspacken würden? … und ob! Alle haben sich riesig gefreut und als wir wieder zu Hause waren stellte sich mir die Frage, wie geht es denn nun weiter?

Ich häkelte fleißig Pulzwärmer und Stiefelblitzer und dann war auch schon das Trainingswochenende auf dem Klaukenhof und die lustigen Schnapsgläschen zogen ein. Bald darauf war ja dann der Biber Cup und extra für dieses Team-Event hatte ich dann Schnapsglashalter entworfen.

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Tja, und beim Biber Cup erklärte Nina dann sie brauch sowas unbedingt für Kümmerlinge für ihr Team beim German Cup…

Modell Kaliber 12_70(2)

Ach ja, der German Cup… da hab ich gleich noch welcher für Jägermeister gemacht…

Hörnerwhisky

Nach diesen ganzen Kleinigkeiten habe ich mich dann an mein erstes größeres Projekt gewagt…

Kissen

Dieses Kissen hat inzwischen den Besitzer gewechselt. Meine Mama hat sich sehr gefreut.

Ich habe so viele tolle Anleitung im Netz gefunden, so viele Links gespeichert, Sachen an denen ich mich versuchen möchte…

Hätte mir das jemand vor einem Jahr gesagt, dem hätte ich nen fetten Vogel gezeigt aber jetzt … häkel ich halt einfach munter weiter 🙂

Ach ja, zum Geburtstag gabs dieses Jahr mal keinen Hundekram! Ich hab mir Wolle gewünscht und Häkelbücher… ich sagte ja schon … meine Oma würde ausflippen wenn sie das noch erlebt hätte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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~ von Ivonne - 23. Mai 2014.

Eine Antwort to “Eine neue Leidenschaft”

  1. *kreisch* Du hast übrigens auch am Telefon öfter als 1x „Iiiiiiiiiiich habe eine Mütze gehäkelt“ erwähnt 😉 Deine Oma wäre sicher stolz auf dich, sobald sie sich von ihrem Lachanfall erholt hätte 🙂

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